"Wer Senioren erreichen möchte, muss beim Individuum beginnen."

hohenschon aus google nicht verwendenJessica Hohenschon

Beraterin im Care Management Team von Philips Innovation Services

Alle sprechen von dem „50plus“ Markt, obwohl den meisten klar ist das es sich um eine homogene Gruppe handelt. Wie ist Ihre Bewertung zur Homogenität des „silver marktes“?

Der Senioren Markt ist weit entfernt von homogen. Im höheren Alter ist unsere Gesellschaft – Gott sei Dank – genauso divers wie im jüngeren Gruppen. Das scheint aber noch nicht wirklich durchgedrungen zu sein. Ich stelle immer wieder mit Verwunderung fest, dass niemand davon ausgeht, dass alle 20-Jährigen, alle 30-Jährigen und 40-Jährigen gleich sind. Allein für die Gruppe der Teenager gibt es zahlreiche Kategorien. Es wird höchste Zeit, die 50- bis 100-Jährigen genauer zu betrachten und damit auch besser zu bedienen.

Es gibt ja verschiedenste Ansätze zur Kundesegmentierung, wie gehen Sie vor?

Meine Segmentierung beruht auf persönlichen Werten. Was ist mir wichtig im Leben? Worauf kommt es mir an?

Anhand der Werte erstelle ich verschiedene ältere Kundensegmente, die ich dann in Verbindung bringe mit anderen Fähigkeiten und Möglichkeiten einer Person – z.B. mit sozialen, gesundheitlichen oder ökonomischen Aspekten. So entstehen dann meine Personas: der konservative Karl, die ambitiöse Andrea oder der happy Hippie Harry.

Was ist die Motivation von Phillips sich so intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen?

Bei Philips widmen wir uns dem gesamten Care Continuum. Das geht von „gesund leben“ über Prävention, Diagnose, Behandlung, bis hin zu Pflege in der häuslichen Umgebung. In all diesen Bereichen begegnen wir älteren Leuten mit ihren speziellen Bedürfnissen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Philips sich das Ziel gesetzt hat, 2025 jährlich das Leben von 3 Milliarden Menschen zu verbessern. Wenn wir die Lebensqualität der Senioren verbessern wollen, dann müssen wir genau wissen, mit wem wir es zu tun haben. Wer eine so große Gruppe Menschen erreichen möchte, muss beim Individuum beginnen.

Momentan scheint es, dass viele Firmen und gerad auch start-ups nicht besonders „fasziniert“ vom älteren Kundensegment sind, wie kommt das?

Ältere Leute haben ein schlechtes Image. Es gibt viele Vorurteile. In den Niederlanden sagt man zum Beispiel scherzhaft, dass alte Leute ihr Dasein krank, bemitleidenswert und hinter den Geranien auf der Fensterbank fristen. („ziek, zielig en achter de geraniums“). Darüber hinaus gelten ältere Leute als schwierige Kunden. Vieles davon stimmt nicht.

Wenn man sich etwas länger mit dem Thema beschäftigt, sieht man aber, wie vielfältig und interessant der Markt sein kann.

Sie arbeiten ja schon eine längere Zeit mit und für Senioren, was fasziniert Sie bei an Ihrer Arbeit?

Durch meine Arbeit habe ich die Gelegenheit, ganz direkt mit diversen älteren Leuten zusammenzuarbeiten. Häufig sind sie viel zielstrebiger und praxisorientierter als wir Business Menschen. Sie stehen mit beiden Beinen im Leben und wissen direkt, was ihresgleichen anspricht und was nicht. Die Wege sind kurz und die Erfahrung groß. Aber sie wissen den Beitrag der jüngeren auch wirklich zu schätzen. So entwickeln wir gemeinsam Innovationen auf dem Gebiet von Gesundheit und Pflege (Wohnen).