Langlebigkeitsökonomie: Die Investor-Perspektive

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Rolf Elgeti

CEO Deutsche Konsum REIT-AG
Aufsichtsratsvorsitzender TAG Immobilien AG, Fair Value REIT-AG, Deutsche Leibrenten Grundbesitz AG

Es gibt in den USA ein neues Schlagwort "Longevity Economy", übersetzt Langlebigkeitsökonomie. Es trägt der Tatsache Rechnung, dass die Weltbevölkerung altert und sich damit auch die Bedürfnisse von Kunden verändern. Was ist Ihre Perspektive als Investor auf diesen Wandel?

Das ist ein ganz wichtiger Trend. Je nach Land ist dabei auch zusätzlich zu berücksichtigen, dass - obwohl im Moment viel über Altersarmut geredet wird - es einen großen Teil der aktuell älteren Bevölkerung gibt, der historisch gesehen über vergleichsweise hohe Kaufkraft verfügt. Damit ist dieser Markt nicht nur groß und wachsend, sondern auch sehr lukrativ. Es wäre fahrlässig, sich nicht mit ihm zu beschäftigen.

Wie wichtig ist für Sie als Investor die Frage, ob Startups den Trend des demografischen Wandels in ihrem Geschäftsmodell berücksichtigen?

Das hängt natürlich immer vom Geschäftsmodell ab. Der demografische Wandel ist ein sehr wichtiger Makrotrend, aber natürlich nicht der einzige. Wichtig erscheint mir, die verschiedenen Facetten des demografischen Wandels separat zu analysieren und auch im jeweiligen Geschäftsmodell zu berücksichtigen. Manche Effekte sind gegenläufig und manche werden wahrscheinlich in 20 Jahren in eine andere Richtung laufen als in zehn Jahren.

Glauben Sie, dass die deutsche Startup-Szene die Chancen des demografischen Wandels in Bezug auf neue Absatzmärkte ausreichend erkennt?

Ja und nein. Ja, es gibt sehr viele Startups, die sich mit diesem Thema zu recht und auch sehr vielversprechend beschäftigen. Gleichzeitig kratzen wir natürlich alle erst an der Oberfläche. Die Chancen sind enorm, viele Produkte und Dienstleistungen, die sich eigentlich aufdrängen, werden erst rudimentär oder gar nicht angeboten. Das sind aber natürlich sehr gute Perspektiven für alle, die jetzt in diese Märkte drängen wollen.

Hat die "Longevity Economy" in Europa bereits eine ähnlich große Bedeutung wie in den USA, oder ist uns das Silicon Valley wieder voraus?

Meiner Meinung ist die Longevity Economy nicht nur ein Thema für das Silicon Valley oder für Technologieunternehmen im Allgemeinen. Viele Produkte und Dienstleistungen, die fehlen, sind am Ende doch eher "low tech". Die USA erscheinen mir in einigen Bereichen führend, aber bei weitem nicht in allen. Auch aus Asien kommen sehr viele spannende Innovationen. Insgesamt ist es aber, glaube ich, richtig, weltweit eine noch viel zu kleine Bedeutung festzustellen.

Welche Tipps haben Sie für Gründer im Hinblick auf die Alterung der Gesellschaft und die damit verbundene Veränderung der Absatzmärkte?

Nach meiner Erfahrung gibt es bei vielen neuen Geschäftsmodellen in diesem Zusammenhang einen Punkt, der oft nicht richtig gewürdigt wird: Derjenige, der über viele dieser neuen Produkte entscheidet, ist oft nicht der, der davon tatsächlich profitiert. Und oft gibt es noch einen Dritten, der bezahlen soll. Diese drei unter einen Hut zu bekommen und auch deren meist sehr unterschiedliche Interessen zu berücksichtigen, ist oft die entscheidende Herausforderung und sollte vor Gründung sorgfältig durchdacht werden.